Tae-I Lee

1982          geboren in Jin-An, Korea
2001-05     Kunststudium (Stipendium) an der Sang-Myung Universität, Seoul, Examen                    als `Bachelor of Fine Arts´
               
seit 2006   Kunstakademie Münster, bei Prof. Guillaume Bijl

2008          DAAD-Preis für ausländische Studierende

 

 

Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen seit 2004, Auszug:
Kunstverein Gelsenkirchen. Coex-Gallery, Seoul. Galerie Noack, Mönchengladbach.  `Großer Wettbewerb koreanischer Skulpturen´ (Preisträgerin), Seoul.

Tae-I Lee wurde 1982 in Jin-An, Korea geboren. Von 2001-2005 studierte sie Kunst an der Sang-Myung Universität in Seoul, davon 4 Semester als Stipendiatin. Nach ihrem Examen als `Bachelor of Fine Arts´ begann sie 2006 ihr Studium an der Kunstakademie Münster, in der Klasse von Prof. Guillaume Bijl.

Tae-I Lee spielt von Beginn an mit unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und Foto haben für sie bei der Entwicklung ihrer eigenen Formensprache den gleichen Stellenwert. Es lassen sich drei Entwicklungsstufen ablesen:

In den frühen Arbeiten beschäftigt sie sich mit ihrer privaten Situation und ganz persönlichen Gefühlen. Ihnen liegt eine ausgeprägte Selbstreflexion zu Grunde, selten Bezüge zur Außenwelt. “In meinem Zoo“ nennt sie selbstironisch diese Phase, in der sie intuitiv und die eigenen Gedanken frei assoziierend, vorgeht. Die Ergebnisse sind keine geschriebene `Tagebücher´, sondern gezeichnete und gemalte Zustandsberichte subjektiver Empfindungen, später auch dreidimensional als kleine Objekte, miniaturartige Environments und Rauminstallationen umgesetzt. Äußere Einflüsse oder Ereignisse finden in diesen Arbeiten keine Berücksichtigung. 

In einer zweiten Phase bewegt sie sich aus ihrer hermetischen Gedanken- und Gefühlswelt heraus und sucht, vornehmlich in der Bibel, nach Zitaten, die bei ihr Erinnerungen an eigene Gemütszustände oder Wahrnehmungen wecken. Die Arbeiten sind in der Regel aus mehrer-en Lagen Stoff gefertigte Mittelformate, für die Tae-I Lee aus der oberen Schicht die Buchsta-ben herausschneidet und so den Text vor dem andersfarbigen Hintergrund sichtbar macht. Häufig versieht sie diese mit zusätzlichen Perforierungen und frei erfundenen Ornamenten, die nicht in direktem Bezug zum Zitat stehen.

Der Dialog von Fehlendem und Vorhandenem, Offensichtlichem und unsichtbar Existierendem beginnen sie zunehmend beschäftigen. In ihrer Arbeit `nicht da´ (Teddy) führt sie die gegenseitige Abhängigkeit dieser Zustände vor, und zeigt, wie sie eine gleich große Bedeu-tung für den Gesamtzusammenhang haben können. Neben dem Teddybären selbst präsentiert sie in diesem Fall die Stoffbahn mit jenen Ausschnitten, aus denen er zusammengesetzt, `zum Leben erweckt´, wurde. Auf besonders humorvoll- ironische Weise spielt Tae-I Lee in ihrer Arbeit `Ameisengänge´ mit dem Widerspruch `sichtbar-unsichtbar´ und schafft eine nicht zu lösende `no win´- Situation. In einem großen Tontopf zeigt sie ihre `Ausgrabung´ von freigelegten Ameisengängen, nur: In dem Moment, wo das Verborgene sichtbar wird, hört es auf zu existieren. Es funktioniert nur als Unsichtbares.

Mit ihren neuesten Arbeiten `ganz oder gar nicht´ hat sich Tae-I Lee dem Betrachter noch einen Schritt weiter geöffnet. Sie verlangen bei ihrem Spiel mit dem Unsichtbaren dessen aktive Beteiligung. Nur mit seiner Hilfe werden die Bilder, in aufklappbaren Schaukästen mit diesen verbunden, zu kinetischen Objekten. Erst mit dem Aufklappen verschiebt ein Mechanismus die, aus mehreren Fotos zusammengesetzten und hinter einem starren Streifenraster platzierten, Motive und erzeugt so bewegte Bilder, die im Ruhezustand wieder zu neuen Standbildern erstarren.